Vassula Ryden - orthodox-katholische Privatoffenbarungen

Werbeveranstaltung 2001 in Dresden

In einer auch in evangelischen Kreisen breit umworbenen Veranstaltung bemühten sich die deutschen Anhänger von Vassula Ryden im Dezember 2001 um Aufmerksamkeit für ihre Glaubensüberzeugungen. Die Erwartungen waren offenbar größer als das Interesse: in dem etwa 200 Personen fassenden Saal im Dresdner Feldschlösschen versammelten sich lediglich eine Handvoll Teilnehmer.

Ein Büchertisch am Eingang zeigte das umfangreiche Schaffen Vassula Rydens: inzwischen auf 11 Bände angewachsene fortlaufende Offenbarungen, die Vassula direkt von Jesus Christus empfangen haben will, dazu etliche Bücher über sie und ihr Wirken von befreundeten Autoren sowie kleinere Traktatliteratur. Die Referentin des Nachmittages stellte sich als eine evangelische Pfarrerstochter vor, die lange Zeit auf der Suche nach ihrer spirituellen Heimat gewesen sei. Nach Erfahrungen in verschiedenen christlichen Freikirchen lernte sie die Offenbarungen Vassula Rydens kennen, fühlte sich davon innerlich angesprochen und konvertierte zum Katholizismus. Dies ist angesichts des stark katholisch geprägten Frömmigkeitsstils durchaus nachvollziehbar, wenngleich der überkonfessionelle Charakter der Bewegung immer wieder betont wurde. Vassula Ryden ist griechisch-orthodoxer Herkunft und hat von daher trotz ihrer römischen Ausrichtung die anderen christlichen Traditionen nicht aus dem Blick verloren. Darum wurde in der Veranstaltung immer wieder versucht, auch evangelische Christen mit anzusprechen.

Im Gegensatz zu anderen Neuoffenbarungsbewegungen, die z. T. mit stark antikirchlichen Aktionen und einer deutlichen Abgrenzung ihrer Anhänger einhergehen (man denke z. B. an das Universelle Leben der „Prophetin“ Gabriele Wittek in Würzburg), ist die Bewegung um Vassula Ryden sehr kirchlich orientiert. Dies kann sie vor dem drohenden Abdriften in das Sektierertum bewahren. Im Fazit der Veranstaltung empfand ich diese als Vorstellung eines päpstlich geduldeten, aber nicht geförderten innerkatholischen Frömmigkeitsstiles mit ökumenischer Gesinnung. Ob die Bewegung diesen friedlichen Charakter auch in Zukunft behält, entscheidet sich vor allem an der Stellung zu ihren Kritikern: Wie lange können die Anhänger es aushalten, dass die von ihnen als göttliche Botschaften angesehenen Texte von den kirchlichen Entscheidungsträgern nicht als solche anerkannt werden und was hat das für Folgen?

Solange wie derzeit die Botschaften Vassulas von den maßgeblichen Personen der Bewegung als hilfreiche Ergänzung, aber nicht als Grundlage rechten Christseins verstanden werden, scheint eine Integration möglich.

Links

a) Seiten von True Life in God

b) Seiten über Vassula Ryden

Dr. Harald Lamprecht

ist Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Sachsen.

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