Kurzdarstellung

Sie versteht sich als Bewahrer der alten katholischen Lehre gemäß dem Grundsatz des Vinzenz von Lerinum (gest. um 450), dass als verbindliche katholische Lehre zu gelten habe, "was immer, überall und von allen geglaubt worden ist". (Dies kann für die neuen Papstdogmen nicht behauptet werden.) Auf diesem Grundsatz sieht sie ihre Aufgabe in der Rückkehr zu den Lehren und Prinzipien der alten ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends.

Gegenüber der römisch-katholischen Kirche haben sich infolge von Reformen einige Veränderungen ergeben, die sie dem evangelischen Verständnis annähern. Zu nennen wären:

a) in der Lehre
  • Die Tradition gilt nicht als Quelle des Glaubens, sondern als regulatives Prinzip der Wahrheitsfindung. Grundlage ist und bleibt allein die Heilige Schrift
  • Die Heiligen gelten als Vorbilder und Zeugen der göttlichen Kraft und Liebe
  • Das Abendmahl wird in beiderlei Gestalt gereicht (meist durch Eintauchen der konsekrierten Hostie in den Wein). Die röm.-kath. Transsubstatiationslehre wird als Erklärungsversuch abgelehnt, denn das Geheimnis der Eucharistie lässt sich nicht begrifflich deuten.
b) im Kultus:
  • Einführung der Landessprache in der gesamten Liturgie
    (inzwischen auch in der röm.-kath. Kirche üblich)
  • Vereinfachte Liturgie gegenüber dem Missale Romanum, keine Meßstipendien und Privatmessen
  • Beichte und Zölibat sind freiwillig
  • Prozessionen, Rosenkranzgebet, Reliquienverehrung, Formen unbiblischer Marienverehrung werden abgelehnt
c) in der Kirchenstruktur:
  • synodale Kirchenstruktur, in der der Bischof in allen Verwaltungsfragen an die Entscheidungen der Synode gebunden ist

Die Altkatholische Kirche hat eine ökumenische Grundausrichtung und ist seit ihrem Beginn aktives Mitglied der ökumenischen Bewegung. In einer Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie vom 29. März 1985 sprechen das Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland und die in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertretenen evangelischen Kirchen eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Eucharistie aus. Mit der Anglikanischen Kirchengemeinschaft hat die Altkatholische Kirche inzwischen volle Kirchengemeinschaft.

Weltweit hat die altkatholische Kirche ca. 500 000 Mitglieder (in Europa und den USA). In Deutschland gehören ca. 20 000 Mitglieder zu ihr.

nach: Pfr. Benno Schöke, Altkatholische Kirche, in: Was glauben die andern?, hrsg. von Horst Trubach, 4. Aufl., Gütersloh 1993, 11-16.

Artikel-URL: https://confessio.de/index.php/artikel/49