Hahnemann und der Geist der Medizin

Wie passen Homöopathie und christlicher Glaube zueinander?

Warum beschäftigt sich eine Einrichtung für Weltanschauungsfragen mit der Homöopathie? Hinter jedem
Konzept von Heilung stehen bestimmte Vorstellungen über die
Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit, Mensch und Welt sowie die
Rolle des Glaubens. Homöopathie kommt mit dem Anspruch, den Menschen
„ganzheitlich“ zu betrachten. Das berührt auch religiöse Aspekte. Aus
Anlass des 250. Geburtstag des Begründers der
Homöopathie, Friedrich Samuel Hahnemann, fand vom 7. bis 9. Mai 2004
die Landestagung des Evangelischen Bundes Sachsen in Meißen statt. Dort
referierte Dr. Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für
Weltanschauungsfragen zum Verhältnis von Homöopathie und christlichem
Glauben. Von Erkenntnissen und Ergebnissen dieser Tagung soll
nachfolgend berichtet werden.

Homöopathie in der Alternativmedizin

„Alternativ“-medizin definiert sich darüber, dass sie von der herrschenden Kultur abgelehnt wird, erläuterte Dr. Utsch in seinem Referat. Dies ist in der Gegenwart die wissenschaftlich fundierte und akademisch gelehrte (darum „Schul-“)Medizin. Zur Alternativmedizin werden verschiedene Bereiche gezählt:

religiös-magische Heilweisen, zu denen etwa Wallfahrten oder Geistheilungen zählen, die sich auf besondere göttliche Kräfte beziehen,

Biodynamische Heilweisen, zu denen die Homöopathie und die anthroposophische Medizin gezählt werden, sowie

fernöstliche Heilweisen wie Akkupunktur, Yoga, Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin etc.

Mitunter auch einbezogene Naturheilverfahren, die natürliche Elemente wie Wasser, Bewegung, Licht und Luft oder auch eine vernünftige Lebensweise therapeutisch einsetzen, zählen genau genommen nicht zur Alternativmedizin, da deren Wirksamkeit schulmedizinisch unbestritten ist und sie fester Bestandteil konventioneller Verfahren sind.

Alternative Heilverfahren gründen auf eigenen Weltbildern und vermitteln deren Werte, Ideale und Ethik, betonte Dr. Utsch. In ihrem Zentrum steht in der Regel eine komplexe Weltanschauung und Lebensphilosophie. Das sollte man stets beachten, wenn man sich auf eine Heilmethode einlässt.

Die Homöopathie will keine Krankheiten behandeln, sondern den kranken Menschen insgesamt. Darum entwickelt sie keine Lehre von dem Entstehen von Krankheiten, sondern orientiert sich an einem Modell der „Lebenskraft“ (vis vitalis). Durch die homöopathischen Medikamente sollen geistartige Kräfte freigesetzt werden, die positiv auf diese Lebenskraft einwirken.

Eine der Kernfragen in der Beurteilung der Homöopathie dreht sich um die Bestimmung dieses Geist-Konzeptes. Handelt es sich um eine Art „Steuerungsprogramm“ des Körpers, das lediglich nicht chemisch-physikalisch nachweisbar, aber dennoch natürlich ist?1 Oder ist Homöopathie praktizierte Magie, die ihre Wurzeln im Schamanismus und der Alchemie hat?2 Für beide Meinungen findet man Vertreter unter den Homöopathen, was fraglos auch Auswirkungen auf deren Behandlungskonzept hat. Darum ist eine Beurteilung der Homöopathie an sich nicht möglich, weil es sie für sich genommen nicht gibt. Es gibt nur verschiedene homöopathisch arbeitende Therapeuten. Um so wichtiger ist es, sich den Homöopathen genau zu betrachten, dem man sich anvertrauen möchte.

Das vollständige Referat von Dr. Utsch können Sie in der Ausgabe 7/2004 des Materialdienstes der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, S. 243-256 nachlesen. Bestellungen über Tel.: 030-28395-211 oder http://www.ezw-berlin.de

Harald Lamprecht

1. So der Vorsitzende des Berliner Vereins Homöopathischer Ärzte, K. Baudelin.

2. So der Leiter der Bergischen Schule für Homöopathie, J. Wichmann.

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Dieser Beitrag ist erschienen in Confessio 3/2004 ab Seite 13