Nachrichten aus der Ökumene 2012-4

Nachrichten aus der Ökumene erschienen in CONFESSIO, Heft 4 - 2012

Ulrich Kühn verstorben

Am 29. November verstarb Prof. Dr. Ulrich Kühn.
Der Leipziger Theologieprofessor war ein engagierter Ökumeniker und ein Brückenbauer zwischen evangelischer und katholischer Kirche.
Nach seinem evangelischen Theologiestudium hatte Kühn zur katholischen Theologie und zu Thomas von Aquin geforscht. 1965 wurde er wissenschaftlicher Leiter der neugegründeten Konfessionskundlichen Forschungsstelle des Evangelischen Bundes in der DDR. Ab 1967 arbeitete er als Dozent für Systematische Theologie am Sprachenkonvikt der Evangelischen Kirche in Berlin, im Theologischen Seminar Leipzig und ab 1992 als Professor an der Universität Leipzig. 1983 konnte er für vier Jahre eine Gastprofessur in Wien wahrnehmen.
Er war über 25 Jahre Mitglied der Ev.-Luth. Landessynode Sachsens. Auch der Evangelische Bund Sachsen hat immer wieder auf Tagungen von seinem Fachwissen und seiner besonderen Fähigkeit profitieren dürfen, durch aufmerksames Zuhören und genaues Unterscheiden in theologischen Konflikten vermitteln zu können.

HL / sonntag-sachsen 5. 12. 2012

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Ökumenischer Studienausschuss: Uwe Swarat wiedergewählt

Der Deutsche Ökumenische Studienausschuss (DÖSTA) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hat Prof. Dr. Uwe Swarat zu seinem Vorsitzenden gewählt. Für den Studienleiter und Professor für Systematische Theologie am Theologischen Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Elstal bei Berlin beginnt damit bereits die dritte Amtszeit als DÖSTA-Vorsitzender. Swarat zeigte sich „sehr erfreut“ über seine erneute Wiederwahl. Diese sei „ein Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens – von einem Gremium, das der ACK in Deutschland durch solide theologische Arbeit das Rückgrat stärkt.“ Gerade die jüngste DÖSTA-Studie zum Thema „Tradition in den Kirchen“ sei „intensiv diskutiert und sehr positiv aufgenommen worden.“ Als „spannende“ Aufgabe bezeichnete Swarat die aktuelle Studie zur „‚Frage nach Gott heute‘, in der wir Christen und Kirchen zum Zeugnis für Gott in einer gott-entfremdeten Gesellschaft befähigen wollen.“
BEFG-Generalsekretärin Regina Claas gratulierte Prof. Swarat im Namen des Bundes. Sie betonte, die Wiederwahl sei Ausdruck einer positiven Entwicklung in den zwischenkirchlichen Beziehungen: „Mit unserem eigenen Profil haben wir Freikirchen einen relevanten Beitrag zur Ökumene in Deutschland zu leisten, und als Partner werden wir immer selbstverständlicher wahrgenommen.“
Der DÖSTA hat die Aufgabe, wissenschaftliche theologische und ökumenische Fragen zu beraten. Dazu erarbeitet er Studien und Stellungnahmen, um das ökumenische Gespräch in den deutschen Kirchen zu vertiefen und zu fördern. Der Ausschuss pflegt Beziehungen zum Ökumenischen Rat der Kirchen (Kommission für Glauben und Kirchenverfassung) und zu ökumenischen Instituten.

baptisten.de 13. 11. 2012

Römisch-Katholische Kirche

Vatikan gewährt Pius-Brüdern Aufschub

Die Piusbruderschaft hat vom Vatikan überraschend mehr Zeit eingeräumt bekommen, um ihre Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu formulieren. Das Interesse des Papstes an einer Versöhnung ist offenbar immer noch stark. Der Aufschub wurde gewährt, nachdem die Organisation Richard Willamson ausgeschlossen hatte.

Tag des Herrn Nr. 44, 4. 11. 2012, S. 1

 

Bischof Feige für katholische Beteiligung am Reformationsgedenken

Der für ökumenische Fragen zuständige katholische Bischof Gerhard Feige kann sich eine Beteiligung seiner Kirche am Reformationsjubiläum vorstellen. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ sagte er, dass sie „sogar ein wenig mitfeiern“ könnten, wenn das wichtigste Anliegen eine tiefere Verbindung mit Jesus sei und damit der Welt ein Zeichen der Hoffnung gegeben würde. Feige verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, den Begriff „Christusjubiläum“ für die Feierlichkeiten verwendet hatte.

HL / Tag des Herrn, 49, 9. 12. 2012, S. 9

Vatileaks-Untersuchungen gehen weiter

Im Skandal um geheime Enthüllungen aus dem Nahbereich des Papstes gehen die Ermittlungen auch nach der Verurteilung des Kammerdieners weiter. Paolo Gabriele, hatte gestanden, vertrauliche Unterlagen Benedikt XVI. entwendet, fotokopiert und an einen italienischen Journalisten übergeben zu haben. Dafür wurde er zu 18 Monaten Haft und zur Übernahme der Prozesskosten verurteilt. Obwohl er bestritt, dass es Mittäter oder Hintermänner gäbe, muss sich nun mit dem Informatiker des Vatikanischen Staatssekretariats ein weiterer Beteiligter vor Gericht verantworten. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

HL / Tag des Herrn Nr. 44, 4. 11. 2012, S. 4

Anglikanische Kirche

Auseinandersetzung um Zulassung von Bischöfinnen

Die Kirche von England streitet weiter um die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt. Ein entsprechendes kirchliches Gesetzgebungsverfahren fand auf der Generalsynode zwar die nötige Zweidrittelmehrheit unter den Bischöfen und Klerikern aber nicht unter den Laien. Seitdem erwägt die englische Kirche eine Änderung des Beschlussverfahrens, um nicht in eine grundlegende Krise des Staat-Kirche-Verhältnisses in England zu geraten. Seit 1992 gibt es in der Kirche von England Priesterinnen. Ein Drittel des Klerus ist weiblich. Über die Bischöfinnen ist die anglikanische Weltgemeinschaft allerdings gespalten. Es gibt sie in den Kirchenprovinzen Neuseeland, Australien und Nordamerika, nicht aber in Afrika, Asien und Südamerika.

HL / Tag des Herrn Nr. 48, 2. 12. 2012, S. 4

Adventisten

Johannes Naether neuer Vorsitzender

Die Adventisten in Deutschland haben einen neuen Leiter. Pastor Johannes Naether (52) wurde am 4. 12. 2012 für die kommenden fünf Jahre zum neuen Vorsitzenden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gewählt. Der gebürtige Kölner studierte zunächst Geschichte und Englisch und bereitete sich danach am damaligen adventistischen Theologischen Seminar Marienhöhe, Darmstadt, auf sein geistliches Amt vor. Als Pastor wirkte er 14 Jahre in Hannover, Gifhorn und Braunschweig. Seit 2001 war er Vorsteher der Siebenten-Tags-Adventisten in Niedersachsen und Bremen. Im April 2012 wurde er als Präsident der Adventisten in Nord- und Ostdeutschland gewählt.

APD 4. 12. 2012

Frauenordination weiter umstritten

Bei der Jahrestagung des Exekutivausschusses der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) wurde im Oktober eine Stellungnahme beschlossen, welche die Vorgehensweise und das Verfahren in der Weltkirche klarstellt, wenn Meinungsverschiedenheiten und abweichende Beschlussfassungen vorliegen. Anlass dazu waren Beschlüsse von drei überregionalen adventistischen Kirchenleitungen zur geschlechtsunabhängigen Ordination. Die Delegierten der „Columbia Union Conference” im Osten und die „Pacific Union Conference” im Westen der USA sowie der „Norddeutsche Verband“ hatten 2012 beschlossen, auch Frauen als Pastorinnen zu ordinieren. Die Weltkirche könne aber nicht Praktiken legitimieren, die eindeutig im Widerspruch zu den Beschlüssen der Weltsynoden von 1990 und 1995 stünden, heißt es in der beschlossenen Erklärung. Deshalb anerkenne die Weltkirche die Beschlüsse von regionalen (Vereinigungen) und überregionalen (Verbände/Unionen) Kirchenleitungen nicht, welche die Ordination zum Pastorendienst unabhängig vom Geschlecht zuließen. Sanktionen gegen die Abweichler seien in der Stellungnahme aber weder ausgesprochen noch vorgeschlagen worden, betonte Pastor Bruno R. Vertallier, Präsident der Intereuropäischen Division (EUD) bei seinem Bericht vor dem Ausschuss der deutschen Adventisten.
Er wies auf den Verwaltungsausschuss der Weltkirchenleitung hin, der 2012 eine Studienkommission eingesetzt habe, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen solle. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollten die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollten.
Der Präsident der Adventisten in Mittel- und Südeuropa betonte: „Es ist kein Geheimnis, dass ich für die Ordination von Frauen als Pastorinnen bin.” Doch sollte nicht voreilig gegen die Richtlinien der Weltkirche gehandelt werden. Pastor Vertallier empfahl, in der Studienkommission mitzuarbeiten und das Ergebnis der Weltsynode 2015 abzuwarten.

 HL / APD 4. 12. 2012

Baptisten

Institut für Baptismusstudien eröffnet

Am Theologischen Seminar Elstal (FH) wurde mit einem Festakt am 21. 11. 2012 ein neues Institut für Baptismusstudien eröffnet. Das Seminar in Elstal bei Berlin ist die theologischen Ausbildungsstätte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Bei dem Festakt zur Eröffnung betonte die Generalsekretärin des BEFG, Pastorin Regina Claas, das neue Institut werde dazu beitragen, das „baptistische Profil zu schärfen“. Es sei „höchste Zeit“ für das neue Institut, so die Generalsekretärin weiter, denn sie nehme ein gesteigertes Interesse in den Gemeinden des BEFG an den baptistischen Wurzeln und der baptistischen Identität wahr. Ähnlich wie Claas betonte auch der Präsident der Europäischen Baptistischen Föderation, Pastor Hans Guderian, es gehe bei Baptismusforschung nicht ausschließlich um einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch um „gegenwartsbezogene theologische Bezüge“. So sei eine systematische Erforschung des soziologischen und ökumenischen Kontextes, in dem baptistische Theologie in verschiedenen Ländern entstanden sei, eine wichtige Hilfe für baptistisches Leben und die Zusammenarbeit der Baptisten aus unterschiedlichen Ländern heute. Guderian hoffe, dass das Institut bei der Erforschung dieser wichtigen Themen partnerschaftlich mit dem europäischen Studien- und Forschungszentrum zusammenarbeiten werde, das nach der Verlegung des Internationalen Baptistischen Theologischen Seminars aus Prag 2014 in Amsterdam entstehen soll.
Prof. Dr. Dr. Martin Rothkegel, der das Institut zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Uwe Swarat leitet, benannte in seiner Ansprache die „Geschichte und Theologie des Baptismus“, „Baptistische Theologie im ökumenischen Kontext“ und den „religiösen Nonkonformismus der Frühen Neuzeit“ als Forschungsschwerpunkte der neuen Einrichtung. Das Institut ist mit Forschungsinstituten in Kanada und Frankreich durch Kooperationsverträge verbunden. Bei der Eröffnungsfeier waren Vertreter mehrerer freikirchlicher Seminare anwesend.
In seinem Festvortrag zur Institutseröffnung referierte der baptistische Amerikanist und Theologe Prof. Dr. Massimo Rubboli von der Universität Genua über das Thema „‚Seit dem Kommen Christi haben alle Nationen nur politische Bedeutung‘ – Die Kritik an der Vorstellung von ‚auserwählten Völkern‘ bei Roger Williams“. Rubboli wies auf den wichtigen Beitrag der frühen baptistischen Bewegung zur Entstehung des modernen Freiheits- und Demokratiegedankens hin.

 

www.Baptisten.de, 22. 11. 2012
www.theologisches-Seminar-Elstal.de

 


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