Yoga christlich
Angebote für christliches Yoga gibt es auch in Sachsen. Pfarrerin Nina-Maria Mixtacki hat seit Januar 2025 eine 50%-Pfarrstelle für „Christliche körperbezogene Spiritualität“, um Yoga christlich zu gestalten. Sie läuft unter dem Projektlabel „Kirche die weitergeht“. Unter „atmen.glauben.leben“ gibt es von ihr dazu einen Instagram-Kanal mit großer Reichweite. Im Rahmen einer Exkursion der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Dresden fand ein Treffen der Weltanschauungsbeauftragten mit ihr und ein Austausch zu dieser Thematik statt.
Der Weg zum Yoga
Pfarrerin Mixtacki ist während ihres Theologiestudiums über Angebote des Universitätssports zum Yoga gekommen. Das dortige Angebot war rein körper- und gesundheitsorientiert und ohne spirituelle Dimension. Die eigene Ausbildung als Yoga-Lehrerin geschah 2018 im internationalen Kontext Rahmen eines Kurses auf Mallorca und schloss ab mit einem Zertifikat der Yoga Alliance.1 Diese Organisation dient vor allem dazu, die Reputation der Yogalehrenden durch strenge Verpflichtung auf (westliche) ethische Standards und die Sicherstellung ausreichend fundierter Ausbildungszeiten zu verbessern. Religiöse Aspekte werden dort nicht thematisiert.
Gefäß und Inhalt
Die traditionellen Verknüpfungen von Begriffen des Yoga mit hinduistisch geprägten Kontexten sind Pfarrerin Mixtacki selbstverständlich bekannt. Sie werden aber bewusst nicht transportiert, sondern explizit durch christliche Themen ersetzt. Von ihr ins Bild gefasst: Yoga ist das Gefäß. Der ursprüngliche hinduistisch geprägte Inhalt wird ausgekippt und christliche Themen werden stattdessen hineingefüllt. So wird z. B. nicht von Chakren gesprochen, sondern biblische Bezüge gesucht. Die Übungen werden unter ein Bibelwort gestellt.
Körper und Seele
Die christliche Tradition hat in der Neuzeit eine Verengung auf intellektuelles Bemühen erfahren. Gegenwärtig ist aber bereits eine Trendumkehr erkennbar. Eine Teilnehmerin berichtete aus ihrer Erfahrung, dass inzwischen christliche spirituelle Übungen nahezu immer auch mit Körperübungen kombiniert werden, so z. B. bei den Selbitzer Schwestern. Pfn. Mixtacki betonte, die Texte des Alten Testamentes enthalten viele interessante körperliche Bezüge, etwa wenn davon die Rede ist, den Raum des Herzens für Gott zu öffnen. Solches kann gut mit den Yoga-Übungen verknüpft und ausgedrückt werden.
Ausstrahlung: Grenzen überschreiten
Für „Christliches Yoga“ gibt es definitiv einen breiten „Markt“ und interessierte Menschen, die von sich aus keine traditionellen kirchlichen Veranstaltungen besuchen würden. Hier ergibt sich die Möglichkeit, niedrigschwellig Kontakt aufzunehmen und Beziehungsarbeit zu leisten. Dabei können falsche Klischees von Kirche korrigiert und in aller Freiheit auch Glaubensinhalte transportiert werden. Selbstverständlich werden dabei Grenzen traditioneller christlicher Frömmigkeitsformen überschritten. Das ist aber nötig, um nicht in Selbstgenügsamkeit stecken zu bleiben. Missionarische Arbeit nur innerhalb der Kirchenmauern und in traditionellen Formen erreicht eben auch nur diejenigen, die schon dabei oder dafür ansprechbar sind.
Harald Lamprecht
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