Zeugen Jehovas

Bluttransfusion bei Zeugen Jehovas - gegenläufige Urteile des EGMR

Die Frage, unter welchen Umständen Zeugen Jehovas das religiös begründete Verbot von Bluttransfusionen bei ihren Mitgliedern durchsetzen können, bleibt weiter umstritten. In Spanien hatte eine Frau bei einer Notoperation eine Bluttransfusion erhalten, obwohl sie sich in einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht dagegen ausgesprochen hatte. Das EGMR sprach ihr daraufhin Schadenersatz zu, weil ihre Autonomie nicht berücksichtigt wurde (17.09.2024, AZ 1554/20).

In einem anderen Fall in Dänemark hatte ein Mann nach einem Unfall und inneren Blutungen ebenfalls eine Transfusion erhalten, obwohl diese in einer Patientenverfügung abgelehnt worden war. In diesem Fall urteilten die Richter, dass eine Bluttransfusion auch ohne Einwilligung des Patienten dennoch im Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) stehe, weil den Staat die Pflicht trifft, Leben zu erhalten. (EGMR 5.11.2024, AZ 25636/22).

https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/egmr-1554120-bluttransfusion-zeugin-jehovas-selbstbestimmungsrecht https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/egmr-25636-22-bluttransfusion-bewusstlos-zeuge-jehovas-patientenverfuegung

Artikel-URL: https://confessio.de/news/1542

Autor
HL
Dieser Beitrag ist erschienen in Confessio 2/2024 ab Seite 03